Keine Zeit zum Reiten?

Wer hat an der Uhr gedreht…
 
… ist es wirklich schon so spät? Ja, leider! Meistens ist die Uhr vollkommen in Ordnung, nur wir haben uns mal wieder total verfranst und nur die Hälfte von dem geschafft was wir im Stall vorhatten. Was sind die Tücken bei der Zeiteinteilung und wo lassen wir eigentlich die meiste Zeit liegen?
 
Ordnung ist das halbe Leben
Und das betrifft nicht nur die Ordnung im Haushalt, Büro oder Sattelschrank sondern auch das unsichtbare Chaos in unserer Zeiteinteilung. Natürlich ist es gut die Dinge locker anzugehen und sich gerade bei der Freizeitgestaltung mit dem Pferd nicht zu viel unter Druck zu setzen. Wer sich aber gut um sein Pferd kümmern möchte, muss auch einigen Verpflichtungen nachkommen. Bei all den Anforderungen, die jeden Tag an uns gestellt werden, ist es da fast unerlässlich auch die Stallzeiten in die Wochenstruktur einzubauen.
Da ist kein freier Termin zu finden? Wir haben einen guten Tipp: ein Zeitprotokoll. Also in einer „ganz normalen“ Woche jeden Tag kurz aufschreiben wie viel Zeit für welche Aktivitäten verbraucht wurde. Das verschafft einen guten Überblick und die Möglichkeit sich zu entscheiden, ob man für manche Dinge auch wirklich weiterhin so viel Zeit aufwenden will. Vielleicht lässt sich der eine oder andere Punkt finden, der gekürzt oder durch „Pferdezeit“ ersetzt werden könnte!?
 
Auf los geht’s los! Oder nicht?
Die erste zeitliche Hürde wäre also geschafft, die Stallzeiten sind rot im Kalender vermerkt. Die nächste Schwierigkeit lauert dann manchmal schon in der banalen Aufgabe auch wirklich von zu Hause loszufahren. Irgendwie scheint immer noch etwas Wichtiges anzustehen und egal wie konsequent und pünktlich wir sonst sind, wenn es um die eigene Freizeit geht werden wir plötzlich nachlässig. Man muss ja nicht wirklich auf die Minute im Stall sein, das Pferd wird’s schon verzeihen… Doch mit so einer Start-Verspätung ist es ein bisschen wie mit dem Verschlafen. Man wird den Zeitverlust einfach nicht mehr los und Frust statt Freizeitspaß ist meist vorprogrammiert. Also, vorher überlegen was sich zeitlich noch ausgeht und dann pünktlich starten – nur so kann der Plan überhaupt aufgehen.
 
Des einen Freud, des anderen Leid…
Im Stall angekommen macht man sich erst einmal an die notwendigen Arbeiten, so sind die wichtigsten Pflichten erfüllt und man kann sich auf den angenehmen Teil freuen. Die Realität sieht dann meist so aus: Kaum sind zwei Gabeln Mist in der Schubkarre, klingelt das Telefon und man steht eine Viertelstunde untätig herum bis der Anrufer Gnade walten lässt. Oder man versucht mit einer Hand weiter zu werkeln, was im Endeffekt ein paar völlig zerstückelte Misthaufen zur Folge hat, deren Beseitigung im Nachhinein noch mehr Zeit kostet.
Die ideale Lösung wäre natürlich das Handy einfach im Auto zu lassen und die Zeit im Stall störungsfrei zu genießen. Aber ganz realistisch gesehen – bei den meisten von uns funktioniert das einfach nicht. Also muss ein Kompromiss her: Während der Stallarbeit eine simple Freisprechanlage anstecken. So kann man Anrufe entgegennehmen ohne die Arbeit zu unterbrechen und beide Seiten sind zufrieden. Wenn es ums Pferd geht wird das Thema etwas sensibler, denn es mindert die Qualität eines Ausritts schon erheblich, wenn man ständig von einer Stimme im Ohr verfolgt wird. Also, Telefon für die Dauer des Ritts auf lautlos stellen oder zumindest nur drangehen wenn es wirklich wichtig ist. Alle anderen Anrufe werden einfach mit einem Knopfdruck auf später verschoben.
 
Unter Freunden
Es gibt wohl nichts Schöneres als unter StallkollegInnen gute Freunde zu finden und mit ihnen gemeinsam tolle Stunden mit den Pferden zu verbringen. In der zeitlichen Bilanz können Stallfreundschaften positiv oder negativ zu Buche schlagen. Verabredet man sich zum gemeinsamen Reiten oder teilt sich die Stallarbeit, motiviert das zur pünktlichen Ankunft im Stall und spart Zeit. Kontraproduktiv ist es dann, wenn das spontane Gespräch auf der Stallgasse so lange dauert, dass sich danach nichts mehr richtig auszahlt und entweder die Arbeit oder das Pferd zu kurz kommt. Besser ist es, das gemütliche Beisammensein an den Schluss zu verschieben – also erst die Pflichten erledigen und sich ums Pferd kümmern. Wenn dann noch Zeit bleibt, kann man sie ganz ohne schlechtes Gewissen bei einem netten „Ratscher“ mit Gleichgesinnten verbringen.
 
Endlich mit dem Pferd unterwegs…
tut sich noch eine ganz andere zeitliche Perspektive auf. Dabei geht es nicht nur darum wie viel von unserem Zeitfenster für die eigentliche Beschäftigung mit dem Pferd übrig geblieben ist, sondern auch um die wichtige Frage wie viel Zeit das Pferd für manche Aufgaben braucht und inwiefern man Pferden die für uns notwendige Zeitplanung überhaupt zumuten kann.
Gerade wenn man es eilig hat, beschließt das Pferd oft ganz plötzlich auf stur zu schalten. Vermutlich ist das nicht mal ein Zufall, sondern das Gespür der Pferde für unsere Emotionen und Grenzen.
„Nimm dir die Zeit, die es braucht, dann braucht es weniger Zeit“, lautet eine Weisheit von Horseman Pat Parelli. Haben wir nicht die Möglichkeit uns einfach so viel Zeit zu lassen wie gerade gebraucht wird, sind Planung und Einfühlungsvermögen gefragt. Je nach zeitlichen Möglichkeiten, der eigenen Motivation und der Befindlichkeit des Pferdes sollte man sich schon vorab überlegen was Sinn macht: Trainieren, ausreiten, longieren, Bodenarbeit oder besser nur ein kurzer Spaziergang? Kündigt sich trotz der sorgfältigen Überlegung gegen Ende der verfügbaren Zeit eine Auseinandersetzung an, ist eine schnelle Entscheidung gefragt. Entweder einen Schritt zurückgehen und weniger vom Pferd verlangen, sodass man realistische Chancen hat in der verbleibenden Zeit einen guten Abschluss zu finden. Oder den Zeitplan über Bord werfen, den nächsten Termin absagen und dranbleiben bis beide Seiten zufrieden sind.
 
Die Sache mit der Hilfsbereitschaft
Jeder ist froh gelegentlich eine/n StallkollegIn um Hilfe bitten zu können und springt auch selbst gern mal ein. Allerdings sollte es sich dabei wirklich um Geben und Nehmen handeln und auch die Motive sollten dementsprechend wichtig sein. Der Hufschmied hat nur den einen Termin frei und der Boxennachbar muss arbeiten, klingt nach einem tollen Freundschaftsdienst und ist es auch. Wenn aber die Stallkollegin lieber ins Fitnesscenter geht, als extra zum Stall zu fahren um ihrem Pferd den Verband zu wechseln, ist ein klares Nein angesagt. Solche Arbeiten zu übernehmen führt auf Dauer zu aufgestautem Ärger und unterstützt die Faulheit anderer Leute – bringt also keinem was.
 
Prioritäten setzen - was sind die „Steine“ in unserem Leben
Rund um Pferde gibt es immer etwas zu tun, aber wie überall im Leben ist nicht alles gleich wichtig. Warum es so wesentlich ist Prioritäten zu setzen, veranschaulicht folgendes Beispiel: In ein Glas sollen Steine (symbolisieren die wichtigen Aufgaben), Kies (weniger wichtige Aufgaben) und Sand (unwichtige Kleinigkeiten) gefüllt werden. Beginnt man mit den Steinen und füllt den verbleibenden Platz mit Kies und Sand, bleibt zwischen den Steinen immer noch genug Raum für die kleineren Füllstoffe. Nimmt man jedoch zuerst Kies und Sand – also die unwichtigen Dinge - ist das Glas schnell voll mit belanglosen Aufgaben und es bleibt kaum Platz/Zeit für die wesentlichen Bereiche übrig.
Um herauszufinden was für uns die Steine sind und was nur belangloser Sand, empfiehlt sich eine Aufgabeneinteilung wie im Folgenden nach dem ABCDE System von metacom®.
 
A B C D E
Das ist die „Krisenabteilung“ – hier befinden sich Aufgaben aus wichtigen Bereichen, die eigentlich schon gestern hätten erledigt werden sollen. Deshalb muss diese Abteilung zuerst abgearbeitet werden. Die wichtigste Kategorie. Hier werden Aufgaben eingeteilt, die uns wichtig aber (noch) nicht dringend sind. Auch diese sollten bald erledigt werden damit sie erst gar nicht nach A kommen. Weniger wichtig aber doch dringend, diese Aufgaben bekommen einen Termin und werden dann erledigt – oder nach D verschoben. Aufgaben in der Kategorie D werden an andere delegiert, also alles was nicht unbedingt selbst erledigt werden muss oder überhaupt die Zuständigkeit eines anderen betrifft. Aufgaben aus C und D können manchmal auch nach E verschoben werden zu den Aufgaben die auf lange Zeit aufgeschoben werden können oder gar nicht unbedingt zu erledigen sind.
 
 
„Die Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit die uns etwas gibt.“
Entspannung, Ausgleich, frische Luft, Bewegung, nette Gespräche,… die Zeit im Stall und beim Pferd gibt uns so vieles das wir im Alltag vermissen. Gerade deshalb ist wohl das Bewusstsein für diese Qualitäten der wichtigste Schritt in Richtung einer sinnvollen Zeitplanung. Nur wer wirklich zu schätzen weiß was eine entspannte „Stallzeit“ zur seelischen und körperlichen Gesundheit beiträgt, kann den Zeitfallen bewusst und ohne schlechtes Gewissen aus dem Weg gehen.

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