Das Kreuz mit dem Sattel

Die meisten Pferdebesitzer können ein Lied davon singen – DEN perfekten Sattel zu finden ist fast unmöglich. Jeder Sattler, Reitlehrer (und manchmal auch noch der Stallkollege) weiß ganz genau dass dieser Sattel dem Pferd auf keinen Fall passt, ein anderer dagegen garantiert passen würde. Nur warum und wieso, das können leider die wenigsten genau begründen und deshalb ist es wichtig, sich als Pferdebesitzer/Reiter selbst ein bisschen Grundwissen zum Thema Sattel anzueignen.
 
Mythos: Der Sattel muss dem stehenden Pferd passen
Die meisten Sattelanpassungen finden am stehenden Pferd statt, dementsprechend werden viele Sättel auch so gebaut, dass sie einem Pferd im Stillstand passen. Dass sich die Körperhaltung des Pferdes aber komplett verändert, sobald es auch nur einen Schritt macht, wird hier nicht mit einbezogen. Im Stand hat jedes Pferd einen mehr oder weniger leichten Senkrücken, der sich aber in der Bewegung (durch Muskelarbeit) um bis zu 10 cm anhebt. Die gesamte Rückenmuskulatur dehnt sich in Bewegung aus und auch das Schulterblatt reicht beim Gehen weit in die Sattellage zurück. Von diesem Bewegungsprozess kann man sich selbst überzeugen, in dem man folgende Übung probiert: Kitzle dein Pferd an der Bauchnaht, sodass es die Bauchmuskeln anspannt und den Rücken hebt, so kannst du unmittelbar den Höhenunterschied des Rückens zwischen Stillstand und (simulierter) Bewegung sehen. Hat ein Sattel an der Auflagefläche am Pferderücken zu viel Wölbung nach unten (um in den Senkrücken des stehenden Pferdes zu passen) und/oder ist generell zu eng geschnitten, lässt er das Anheben des Rückens nicht zu und das Pferd muss mit weggedrücktem Rücken laufen.
Weiters kannst du selbst überprüfen wie weit das Schulterblatt unter den Sattel schwingt und ob es dort Platz hat, indem du rückwärts neben dem Pferd hergehst und versuchst eine Hand zwischen Sattel und Pferd zu schieben. Wird die Hand bei jedem Schritt des Pferdes eingequetscht, ist dort zu wenig Platz für die Schulter.
 
Das Pferd zeigt uns beim Reiten ob es mit seinem Sattel zufrieden ist
 
5 Anzeichen für einen unbequemen Sattel:
  • Starker Senkrücken
  • Kurze, wenig raumgreifende Schritte
  • Kopf wird oft hoch gehalten
  • Übergänge zwischen den Gangarten sind schwierig
  • Häufiges Stolpern
 
5 Anzeichen für einen angenehmen Sattel:
  • Rücken hebt sich beim Reiten deutlich und „rundet sich“
  • Lange, ausschreitende Schritte
  • Kopf tendiert eher nach unten
  • Fließende Übergänge und mehr Gewicht auf der Hinterhand
  • Das Pferd trägt sich, die Bewegungen wirken rhythmisch und leicht
 
Die richtige Position
Ein Sattel kann noch so toll sein, wenn er an der falschen Stelle sitzt, ist er trotzdem unbequem. Der Maßstab für die Sattelposition sollte die Schulter sein – die Vorderkante des unteren Sattelblatts beim Englischsattel/des vorderen Conchos beim Westernsattel sollte beim stehenden Pferd knapp hinter dem Schulterblatt liegen. Zwischen Widerrist und Vorderzwiesel/Fork des Sattels muss ausreichend Platz sein, sodass der Widerrist keinem Druck ausgesetzt wird. Als Faustregel für den Sattelgurt gilt eine Handbreit Platz zwischen Ellbogen und Vorderkante des Gurts. So hat der Ellbogen genug Platz und stößt nicht bei jedem Schritt schmerzhaft an.
 
Neuer Trend - Individuelle Anpassung durch Sattelpads mit Einlagen
Die Verwendung von Sattelpads, die mittels veränderbarer Einlagen eine individuelle Anpassung des Sattels ermöglichen, hat viele Vorteile. Durch korrekte Einlagen kann man eine gute Bewegungsfreiheit der Schulter, Wiederaufbau von Muskulatur und eine verbesserte Sattelpassform erreichen.
Pferde verändern sich laufend, Alters-, Trainings- oder Verletzungsbedingt. Wer nicht bei jeder Veränderung einen neuen Sattel suchen möchte, kann sich mit einem guten Pad, Einlagen und dem dazugehörigen Wissen selbst helfen. Ein interessantes System bieten die Pads und Shims von Natural Horseman Saddles.
 
Fazit:
Es macht Sinn sich selbst ein bisschen zum Thema Sattel zu informieren und das angebotene Wissen auch zu hinterfragen. Vor allem sollte man aber seinem Pferd zuhören und genau darauf achten welche Rückmeldung es zu seiner Ausrüstung gibt.

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